Klaus Süßmann...
... ist auf der Suche nach dem „anderen Gesicht“. Für seine Arbeiten findet er Materialien, die alle eine Vorgeschichte haben: Gebrauchsspuren, die verraten, welche Identität Holz, Sackleinen, Papier oder Metall gehabt haben, bevor sie im gestalterischen Prozess durch die Bearbeitung der Oberflächen, durch Kombinationen oder durch eine vielschichtige Formgebung wieder strukturiert werden.
Der Weg von der ursprünglichen Herkunft hin zu einem neuen formalen Zusammenhang führt über Gedankenbrücken: ein alter Aufdruck, selbst eine sinnlos gewordene Information, wird zum Schlüssel zur bildnerischen oder figürlichen Umdeutung. Es gehe ihm darum, eigene Spuren zu hinterlassen, sagt Klaus Süßmann. Die Vorarbeit dazu haben Zeit und Zufall geleistet. Verwitterung, beginnender Zerfall, die Vorgabe des Formats durch die Dimension der Ausgangsflächen: sie setzen voraus, dass er sich sehr intensiv mit der Beschaffenheit seiner Fundstücke auseinandersetzt, dass er sie wirklich kennenlernt, bevor er ihnen neue Eigenschaften gibt.
In der Folge erhalten alle Papierarbeiten, seine Materialbilder und sogar seine Stahlskulpturen unabhängig von Format und Maß einen sehr eigenen Reiz. Vielfältig bearbeitete Oberflächen appellieren – durchaus erwünscht – an den Tastsinn, immer weiter abstrahierte Formen und gerissene Gefüge fordern das Auge – und die Geduld des Betrachters: was einfach erscheint, schafft immer neue Spannungen.
Erst in letzter Zeit verwendet Klaus Süßmann auch „jungfräuliche Materialien“ ohne den Hinweis auf Gebrauch und Geschichte. Das macht ihn etwas unabhängiger und bedeutet noch mehr Eigenständigkeit: die „Suche nach dem anderen Gesicht“ der Dinge wird individueller. Die Handschrift bleibt unverwechselbar.
Solche Auseinandersetzung findet Zuspruch. Große Plastiken auch für den öffentlichen Raum zeugen von der Bindung seiner Auftraggeber: der Kontakt und das Verständis zwischen Klaus Süßmann und den „Empfängen“ seiner Kunst laufen über die Botschaft seiner Arbeiten.
Hans W. Burholt